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Atomkraft – Nein Danke! 

Redet man von der Energiewende, dann spricht man vom Stromsparen, vom Verringern des Co2-Fußabdrucks, vom Umstieg auf “grüne” Energie. Unter “grüner” Energie wird neuerdings auf europäischer Ebene nicht nur Wasserkraft, Solar- und Windenergie sowie Biomasse, sondern auch Atomenergie gelistet. Dieser Schritt, den die EU im Rahmen der Taxonomie-Verordnung im Februar 2022 gesetzt hat, ist sehr kritisch zu sehen. Es gibt eine Reihe von Gründen, die im Zuge der Klassifizierung der Atomkraft bedacht werden müssen. 

Wie funktioniert ein Atomkraftwerk? 

Atomkraftwerke (AKW´s) sind sogenannte Wärmekraftwerke. Vereinfacht gesagt funktioniert ein Kernkraftwerk wie folgt: Im Inneren des Reaktors wird durch Kernspaltung Wärme erzeugt. Für die Kernspaltung wird radioaktives Uran verwendet. Bei der Kernspaltung selbst werden Uran-Brennstäbe mit Neutronen beschossen, was dazu führt, dass die Atomkerne durch das zusätzliche Neutron instabil werden und auseinanderbrechen. Durch dieses Auseinanderbrechen wird Energie in Form von Wärme frei. Diese Wärme wird dann benutzt, um Wasserdampf zu erzeugen, was eine Dampfturbine antreibt, die schließlich Strom erzeugt. 

Die Endlichkeit von Atomkraft 

Erneuerbare Energien zeichnen sich dadurch aus, dass sie – wie der Name sagt – erneuerbar sind, das heißt, dass sie in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen. Wasser beispielsweise ist global gesehen in einem ewigen Kreislauf und wird nicht verbraucht, auch Sonne und Wind sind nachhaltig verfügbar und werden nicht ausgehen. Anders ist dies bei der Atomkraft: Wie eingangs erwähnt, benötigt man für die Kernspaltung Uran-Brennstäbe. Nach dem Zerfall der Uran-Atome sind diese nicht mehr nutzbar und müssen unter hohem Aufwand so gelagert werden, dass sie keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. 

Wie viel Uran global noch vorhanden ist, ist nicht bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass Vorkommen, deren Abbau sich finanziell gesehen nicht rentiert, nicht in die Schätzungen miteinbezogen werden (Beispielsweise haben bestimmte Gesteinsarten wie Granit einen Uran-Anteil, auch im Meer sind Spuren davon zu finden). Studien zufolge reichen die bekannten Uran-Vorkommen noch etwa 60 Jahre – Kraftwerke, deren Bau jetzt begonnen wird, können somit nicht bis zum Ende ihrer Betriebsdauer mit Uran versorgt werden. Angesichts dieser begrenzten Zeitspanne auf Atomkraft zu setzen, ist schon allein aus diesem Grund zu hinterfragen. Jeder Euro, der in den kostspieligen Bau neuer Atomkraftwerke gesteckt wird, wäre bei tatsächlich erneuerbaren Energieformen langfristig besser investiert. Viele Kleinwasserkraftwerke beispielsweise bestehen seit mittlerweile mehr als 100 Jahren. 

Der CO2-Verbrauch der Atomkraft 

Im laufenden Betrieb stößt ein Atomkraftwerk grundsätzlich keine Emissionen aus – anders als z.B. Kohle- und Gaskraftwerke. Trotz dieses Umstandes kann man die Atomkraft jedoch nicht als emissionsfrei klassifizieren. Dies hat vor allem zwei Gründe: Erstens werden viele Emissionen einerseits beim Bau des Kraftwerks selbst, andererseits beim Bau von Endlagern für die Brennstäbe freigesetzt. Zweitens verursacht auch der Abbau von Uran und der Transport der Brennstäbe CO2. Der Weltklimarat schätzt, dass für Atomstrom bis zu 220g CO2/kWh emittiert werden. Zum Vergleich: im gleichen Report gibt der IPCC für Wasserkraft einen Co2-Ausstoß von maximal 70g Co2/kWh an, wobei hier auch Stauseen mitinbegriffen sind. Der Ausstoß von Kleinwasserkraftwerken ist unter diesem Aspekt noch einmal deutlich geringer. 

Das Problem der Endlagerung 

Sind die Atomkerne innerhalb der Brennstäbe beschossen worden, bleibt das Uran weiter radioaktiv. Aus diesem Grund müssen die Brennstäbe in ein sogenanntes Endlager gebracht werden. Dort verweilen sie, bis sich die Radioaktivität komplett verflüchtigt hat. Das dauert aber. Wie lange, hängt mit der sogenannten Halbwertszeit zusammen. Diese beschreibt, wie lange ein Stoff noch radioaktiv ist – nach einer bestimmten Zeitspanne, die von Element zu Element unterschiedlich ist, halbiert sich die Radioaktivität. 

Wie lange Atommüll sicher gelagert werden muss, kommt auf die Art des Mülls an: Man unterscheidet zwischen leicht- mittel-, und schwer radioaktiv Substanzen. Manche davon haben Halbwertszeiten von mehreren tausend Jahre. Plutonium beispielsweise hat eine Halbwertszeit von mehr als 24.000 Jahren. Bis es als unbedenklich eingestuft werden kann, muss es für zehn Halbwertszeiten, also 240.000 Jahre, sicher gelagert werden. Zum Vergleich: Den modernen Menschen gibt es seit 100.000 Jahren.  

Endlager werden momentan tief unter der Erde eingerichtet. Die Suche nach solchen Plätzen, die eine Vielzahl von Sicherheitskriterien erfüllen müssen (Erdbebensicherheit, Wasserundurchlässigkeit der umliegenden Gesteinsarten etc.) gestaltet sich als sehr schwierig. Dass diese Methode der Lagerung die bis zu 240.000 Jahre auch sicher übersteht, ist trotz des hohen Aufwandes, der dafür betrieben werden muss, äußerst unwahrscheinlich.  

Auch die Kosten, die bereits jetzt entstehen und künftig nicht geringer werden, sind enorm: Alleine in Deutschland wurden im Jahr 2017 4,1 Milliarden € für die Entsorgung (von schwach- und mittelradioaktiven sowie hochradioaktive Abfällen inkl. Zwischenlagerung) aufgewendet. 

Die Unfallgefahr von Atomkraft 

Nicht zuletzt ist bei einem Atomkraftwerk auch die ständige Gefahr eines Unfalls oder GAU´s gegeben, der sowohl lokal als auch international verheerende Auswirkungen haben würde. Auch wenn sich die Sicherheitsbestimmungen und Bauweisen der Reaktoren seit Tschernobyl und Fukushima geändert haben, ist ein Restrisiko immer vorhanden. Menschliche Fehler und Fehlentscheidungen, die beispielsweise zur Katastrophe von Tschernobyl geführt haben und aufgrund derer – je nach Studie – 17.000 bis 90.000 Menschen gestorben sind, können nie komplett ausgeschlossen werden. Der Krieg in der Ukraine führt zudem die Gefahr eines Reaktorunfalls im Kriegsfall eindrücklich vor Augen: Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja befindet sich mitten im Kriegsgebiet und wurde bereits Anfang August 2022 durch einschlagende Raketen beschädigt.  

Die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Atomkraft 

Die bisher angeführten Punkte haben alle Anteil am letzten Argument, das deutlich gegen die Atomkraft spricht: Die Kosten. Nicht nur der Bau eines AKW´s geht in die Millionen, auch die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Energiegewinnung an sich sind zu bedenken. Die Kosten der Energiegewinnung sind auf interne und externe Kosten aufgeteilt. Zu den internen Kosten zählen diejenigen Kosten, die für den Bau und den laufenden Betrieb erforderlich sind. Die externen Kosten dagegen sind diejenigen, die von der Gesellschaft als Ganzen für bspw. Umweltschäden zu tragen sind.  

Die gesamtgesellschaftlichen Kosten für Atomenergie liegen laut Schätzungen bei bis zu 37,1 Cent. Im Vergleich: Stein- und Braunkohle liegen bei etwa 14,7 Cent, Wasserkraft ist mit 8,5 Cent deutlich günstiger.  

Fazit 

Aus den genannten Argumenten zeichnet sich eine klare Linie gegen die Atomenergie und dadurch auch gegen die Taxonomie-Entscheidung der Europäischen Union ab. Deutschland folgt dieser Erkenntnis bislang, indem bis zum Ende des Jahres 2022 alle AKW´s vom Netz genommen werden sollen – anders als andere Staaten wie Frankreich oder etwa auch Polen, wo sich momentan Atomkraftwerke in Planung oder schon im Bau befinden. 

Die Energiewende muss und kann ohne Brückentechnologie funktionieren –  – jede Investition, die direkt in die Erneuerbaren gesteckt wird, ist langfristig wesentlich besser genutzt. Dies ist gerade in Zeiten wie diesen, in denen Europa vor seiner wohl größten Energiekrise überhaupt steht, wichtig. Denn Atomkraft bietet weder kurzfristige noch langfristige Lösungen auf dem Weg hin zur nachhaltigen Energiewende.  

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