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Der Biber

Nager im Spannungsfeld zwischen Ökosystemdienstleistungen und Konfliktpotenzialen

In unserer Kulturlandschaft resultieren aus den Raumansprüchen des Bibers vielfältige Konflikte. Diese betreffen aktuell vor allem die Landwirtschaft, aber auch die Forst- und Teichwirtschaft und den Wasserbau. Gehäuft treten Konflikte dort auf, wo die menschlichen Nutzungen bis an den Rand von Gewässern reichen. Insbesondere land- und forstwirtschaftliche Beeinträchtigungen treten in nahezu jedem Biberrevier auf und stellen eindeutig den Hauptkonflikt dar. Dies liegt darin begründet, dass der Biber durch seine Fähigkeiten des Grabens, Nagens und Stauens den Lebensraum seinen Bedürfnissen entsprechend gestalten kann. Er ist dadurch in der Lage, nahezu sämtliche, auch vom Menschen regulierte Gewässer, zu besiedeln. Mit der Umgestaltung der Wasserführung, der Ufer und der ufernahen Vegetation werden bedeutende natürliche Prozesse in Gang gesetzt, die zur Wiedervernässung von Feuchtgebieten und zur Verbesserung der ökologischen Funktionalität der Gewässer führen. Auch wenn diese Form der Gewässerrenaturierung im Grunde erwünscht und kostengünstig ist, braucht sie dennoch Platz. Der Platz ist jedoch heute für anderweitige Nutzung entzogen und steht den Gewässern auch ohne Biber kaum mehr zur Verfügung. Da der Biber sein Verbreitungsgebiet ausdehnt, steigt auch die Anzahl an Grundbesitzer*innen, die mit dem Biber konfrontiert sind, und die Konfliktfälle nehmen zu.

Geschichte

Um 1850 war der Biber in Europa fast vollständig ausgerottet, weil der Mensch Jagd auf ihn gemacht hatte, sein Fleisch aß, das Fell verarbeitete und Bibergeil, ein moschusähnliches Duftsekret, aufgrund der schmerzlindernden Wirkung als Heilmittel verwendete. Ende der 60er bis zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der Biber in Bayern, am oberösterreichischen Inn und an der Donau im Wiener Raum wieder ausgesetzt. Gleichzeitig siedelten sich die ersten Biber ohne menschlichen Einfluss über die Donau kommend wieder an. Seit damals hat sich die Biber-Population schnell ausgebreitet und eroberte die heimischen Flusslandschaften, auch in Regionen, wo keine gezielten Wiederansiedlungen stattfanden. Doch vieles hat sich in den letzten 150 Jahren verändert. Naturnahe Gewässer sind selten geworden und unser Wissen über und unser Verständnis für den Biber sind verloren gegangen. Es entstehen Konflikte zwischen den Lebensraumansprüchen des Bibers und den Nutzungsansprüchen des Menschen.

Leben

Der Kernlebensraum des Bibers sind strukturreiche Auwälder mit langsam fließenden bis stehenden Gewässern. Die wichtigste Voraussetzung für die Ansiedelung des Bibers ist, den Bau und die Nahrung schwimmend bzw. tauchend erreichen zu können. Sollte das nicht der Fall sein, kann er Gewässer aufstauen. Der Biber braucht einen Mindestwasserstand von 80 bis 100 Zentimetern, deshalb werden auch seichtere Bäche aufgestaut. Die sichtbaren Biberdämme sind dafür da, den Wasserstand zu erhöhen. Den Biberbau gräbt der Nager in die steile Uferböschung. Der Biber wird ca. 1,3 m lang, kann ein Gewicht von mehr als 30 kg erreichen und ist damit das größte Nagetier Europas. Er lebt monogam und die meiste Zeit im Familienverband. Die Paarung erfolgt zwischen Januar und Februar, nach einer Tragzeit von ca. 105 Tagen kommen meistens ein bis drei Junge zur Welt. Nach zwei Jahren suchen sich die Jungen ein neues Revier. Biber stecken ihre Reviere sorgfältig ab und dulden keine Eindringlinge. Mit dem Duftsekret markieren sie jenen Flussabschnitt, den sie bewohnen und der sie mit Nahrung versorgt. Je nach Nahrungsangebot kann sich ein Biberrevier über eine Länge von 1-6 Kilometern erstrecken. Entlang dieses Abschnittes wird jedoch meist nur ein Uferstreifen von etwa 10 bis 20 Metern Breite genutzt. Für attraktive Nahrung entfernen sich Biber in Einzelfällen auch deutlich weiter vom Gewässer.

Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv und äußerst menschenscheu. Daher lassen sich meist nur charakteristische Biberspuren, wie Fuß- und Fraßspuren, Baumfällungen, Biberbauten, Dämme, Teiche, Pfade und Biberrutschen entlang des Flusses erkennen, welche einen Rückschluss auf den Biber ermöglichen. Biber der Pflanzenfresser Biber ernähren sich rein pflanzlich, wobei ihre Nahrungspalette rund 500 Pflanzenarten umfasst. Im Sommer stehen vor allem krautige Pflanzen und Knospen von Weichhölzern auf ihrem Speiseplan, daneben aber auch Mais, Zuckerrüben oder Sonnenblumen von gewässernahen Ackerflächen. Bäume und Sträucher dienen vor allem als Winternahrung. Um Rinde, Äste und Blätter erreichen zu können, werden Bäume bis zu einem Durchmesser von 60 cm gefällt. Dabei entsteht ein typisch kegelförmiger Anschnitt. Anschließend werden die dünneren Äste entweder an einer geschützten Stelle im Uferbereich gefressen oder zum Bau abtransportiert. Stärkere Äste werden an Ort und Stelle entrindet oder zerteilt und als Bauholz verwendet. Als Wintervorrat legen sich Biber vor dem Eingang des Baues ein aus Ästen und Zweigen bestehender Nahrungsvorrat an, das „Nahrungsfloß“. Davon können sie sich dann auch bei zugefrorener Wasseroberfläche ernähren. Daneben werden ganzjährig auch Wasserpflanzen verzehrt.

The beavers were long gone. For some years now they have been living in Potsdam, at the Nuthe and the Havel. If conditions are right, they do not build high dams for water regulation.

Schutzstatus

In Europa steht der Biber unter Schutz. Im internationalen Recht ist der Biber als „geschützte Tierart“, in der Berner Konvention (Anhang III) und in der FFH-Richtlinie (Anhang II und Anhang IV) verankert. Bei der Berner Konvention handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag über den Schutz europäischer wildlebender Tiere und Pflanzen und ihrer natürlichen Lebensräume. Im Anhang III sind Arten aufgelistet, die grundsätzlich geschützt sind, im Ausnahmefall jedoch bejagt oder auf andere Weise genutzt werden dürfen. Die Nennung des Bibers in Anhang II der FFH-Richtlinie regelt, dass für den Erhalt dieser Art Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Im Anhang IV befinden sich all jene Tier und Pflanzenarten, zu deren Schutz entsprechende Artenschutzbestimmungen einzuhalten sind. Auch die Bauwerke des Bibers stehen unter Schutz. 

Ökosystemleistungen

Über den Biber wird in den Medien vor allem negativ berichtet. Die positiven Ökosystemleistungen des Bibers in aquatischen Lebensräumen werden meist nicht erwähnt.

Biber besitzen eine enorme Gestaltungskraft und verwandeln vor allem durch den Menschen stark veränderte Fließgewässer wieder zurück in ein heterogenes Fließgewässer- Ökosystem, bestehend aus Stillwasserabschnitten und dazwischen liegenden Fließgewässerstrecken. Dies schafft Laichgründe für Fischarten wie Äschen oder Forellen und fördert Diversität und Abundanz des Makrozoobenthos. Gewässer bekommen durch den Biber mehr Platz, neue Strukturen entstehen. Das mildert die negativen Auswirkungen von Starkregen, Hochwasser oder Trockenperioden ab und wirkt ausgleichend auf den gesamten Wasserhaushalt eines Gebietes. Durch die Schaffung eines kleinräumigen Mosaiks an Lebensräumen und ihren Elementen trägt der Biber entscheidend zur Artenvielfalt bei. Es entstehen für Amphibien und Reptilien relevante Feuchtflächen, gewässernahe Baumbestände werden aufgelichtet und von Lichtbaumarten wie z.B. Eschen, Weiden und Pappeln neu besiedelt, die wiederum Tierarten wie Insekten, Käfern, aber auch Reptilien oder Amphibien als Lebensraum dienen. In einer Studie des Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) aus dem Jahr 2009 wurde erhoben, dass sich die Anzahl der Fischarten im Mühlbach bei Freising (Bayern) nach der Einwanderung des Bibers von 9 auf 18 verdoppelt hat. Die Fischdichten im „Totholz“ um Biberburgen sind bis zu 80-mal höher als außerhalb. Eine andere Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass sich in einem Bachabschnitt ohne Biber 20 Bachforellen pro km, mit Biber 120 Bachforellen pro km befinden. Die stärksten Effekte auf die Artenvielfalt ergeben sich dort, wo Biber zur Sicherstellung eines ausreichenden Wasserstandes Fließgewässer aufstauen müssen. Vom Biber gebaute Dämme erstrecken sich meist über die gesamte Gewässerbreite. Die generelle Durchlässigkeit von Dämmen hängt unter anderem auch von ihrem Erhaltungszustand ab, der im Laufe der Zeit stetig abnimmt: Neue Dämme sind meist äußerst dicht. Wie lange es dauert, bis das Bauwerk nach und nach verfällt und wieder durchgängig wird, hängt in erster Linie von der Wartungstätigkeit des Bibers ab. Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg erkennt in ihrem Leitfaden für Durchgängigkeit für Tiere in Fließgewässern Biberdämme als natürliche Hindernisse an. Inwiefern Biberdämme – zumindest saisonal – für Fische nicht durchgängig sind, lässt sich pauschal nicht beantworten. Zwar haben Dämme zumeist einen Rinnabfluss oder Umfluss, in vom Menschen bebauten Gewässern ist aber aus Platzgründen die Möglichkeit von Nebenfließgewässerstrecken an Biberdämmen jedoch eingeschränkt.

Konflikte

Die fortschreitende Landnutzung durch den Menschen (Landwirtschaftliche Nutzungen bis zum Gewässerrand, Trockenlegung von Feuchtflächen, Regulierung von Flüssen, etc.) führte dazu, dass ideale Lebensräume für den Biber selten wurden. Biber siedeln demzufolge auch in den vom Menschen genutzten Gebieten. Die Lebensweise des Bibers mit seinen Nage-, Grab- und Dammbautätigkeiten kann jedoch in Widerspruch zu anderen Interessen stehen. Der wasserliebende Nager errichtet Dämme, um den Wasserstand in Gewässern zu erhöhen. Dadurch kann es zu Überschwemmungen im Umland, der Behinderungen von Drainagesystemen (=Trockenlegung für die Landwirtschaft) oder zu Rückstauungen in Entwässerungsrohren kommen. Nutzungskonflikte können auch in den Bereichen der Infrastruktureinrichtungen (Siedlungsgebiet und Wegeanlagen), Wasserbautechnische Strukturen (Hochwasserschutz und Beeinträchtigung von Kleinwasserkraftwerken), Teichanlagen, Fischzuchten und Land- und Forstwirtschaft (durch Vernässung oder Nutzung von Feldfrüchten) entstehen. Konflikte, die immer öfter gemeldet werden, sind der Fraß an Nutz- und Gartenpflanzen, landwirtschaftlichen Nutzpflanzen wie Mais oder Soja, aber auch Bäume in privaten Gärten. Die Schaffung von 10 bis 20 Meter breiten Uferstreifen kann dabei helfen, das Konfliktpotenzial zu reduzieren. Damit kann gleichzeitig die Artenvielfalt gesteigert, und der Eintrag von Dünger und Pestiziden aus der Landwirtschaft verringert werden. Darüber hinaus bieten Elektrozäune, die Gitterung von Einzelbäumen, der Einbau von Grabschutzmatten, die Ufersicherung durch Versteinerung, das Verfüllen von Biberröhren, die Absenkung oder Entfernung von Dämmen ebenfalls die Möglichkeit, den Eingriff des Bibers in von Menschen geschaffene Strukturen zu verringern. Wichtig ist zu beachten, gefällte Bäume bis zum Frühjahr liegen zu lassen, um die Fällaktivität nicht zu steigern.

Fazit Je weiter das Tier in die Kulturlandschaft vordringt, umso eher kommt es zu Konflikten mit dem Menschen. Der Biber gilt als geschützte Tierart, hat er sich einmal an einem Flussabschnitt angesiedelt und es kommt zu Konflikten, ist es schwierig, langfristige Lösungen zu finden. Eingriffe wie die Entfernung von Dämmen oder das Entnehmen des Bibers führen meist nur kurzfristig zum Erfolg, denn früher oder später siedelt sich im freien Revier ein anderer Biber an. Es ist wichtig, mit dem Biber zu arbeiten anstatt gegen ihn, es braucht eine Alternative für ein friedliches Miteinander. Daher ist es wichtig, bereits vor Auftreten eines Konflikts Maßnahmen zu ergreifen.

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