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Strommarktpreisbildung

Strompreisbildung nach „Pay-as-Clear“ 

Derzeit bildet sich der Handelspreis von Strom an den europäischen Börsen EEX (Leipzig) und EPEX (Paris) nach dem Merit-Order-Prinzip oder auch „Pay-as-Clear“ genannt. Bei diesem bestimmen die Grenzkosten des teuersten, gerade benötigten Kraftwerks zur Deckung der Nachfrage den Strompreis. Das bedeutet zunächst wird die Nachfrage mit Strom aus Quellen mit niedrigen Grenzkosten gedeckt (Erneuerbare Energien). Die noch offene Nachfrage wird durch teurere Kraftwerke, wie Gaskraftwerke, gedeckt. Das letzte und damit teuerste Kraftwerk bestimmt den aktuellen Strompreis.  

Das Prinzip führt zu periodischen und nicht-periodischen Schwankungen. Im Winter und in der Nacht steht weniger Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung, wodurch der Strompreis in diesen Zeiträumen höher ist. Entwicklungen, wie beispielsweise der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der den Gaspreis unberechenbar macht, oder die Preisentwicklung der CO2-Zertifikate, die bei Gas- und Kohlekraftwerken ebenfalls zu den variablen Kosten zählen, haben einen großen Einfluss auf den Strompreis, da dieser meistens durch ein Gaskraftwerk bestimmt ist, welches nun im Betrieb teurer ist als zuvor. 

Erneuerbare Energien, deren variable Kosten (und somit die Grenzkosten) kaum existent sind, drücken somit den Strompreis. Dies war über viele Jahre für die Konsument*innen vorteilhaft, als wegen unter anderem zu niedriger CO2-Preise und großen Mengen von stark subventionierten Kohlestrom aus Deutschland die Preise auf äußerst niedrigem Niveau lagen. Österreichs Industrie und Haushalte haben sich Berechnungen der E-Control zufolge, seit 2001 mehr als 13 Milliarden Euro erspart. Für deutsche Haushalte gilt dies nicht, da dort die EEG-Umlage zu zahlen war, von der im Wesentlichen die Industrie befreit war.  

Das Grenzkostenmodell kann sich aber langfristig als entscheidender Nachteil des Merit-Order-Prinzips herausstellen. Wird nämlich in Zukunft der Anteil an Erneuerbaren wie geplant auf nahezu hundert Prozent wachsen, liegt der Strompreis an den Börsen bei annähernd null Euro pro MWh, was logischerweise nicht mehr rentabel für die Stromproduzenten ist, da die Errichtung von Kraftwerken mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Sollte die Erzeugung aus Erneuerbaren jedoch kurzfristig nicht mehr ausreichen und Gaskraftwerke kommen zum Strommix hinzu (z.B. in der Nacht), erreicht der Strompreis wieder Rekordwerte. 

Es zeigt sich also, dass das Merit-Order-Prinzip angesichts der stark fluktuierenden Preise in dieser Form nicht mehr optimal für ein langfristiges Preisbildungsmodel ist, und keine Investitionssicherheit bietet. Doch welche Alternativen gibt es? 

Strompreisbildung nach „Pay-as-Bid“ 

Als Hauptalternative zum „Pay-as-Clear“ Modell, wie das Preisbildungsmodell der Merit Order allgemein genannt wird, gibt es auch das „Pay-as-Bid“ Modell. Bei diesem kann jeder Stromanbieter ein beliebiges Angebot auf den Markt bringen, unabhängig von den realen Produktionskosten. Somit haben nicht mehr alle Angebote denselben Preis und der Bieter entscheidet, ob er einen günstigen Preis (weniger Risiko) oder einen teuren Preis (höheres Risiko) verlangt. 

Der große Vorteil dieses Modells wäre, dass der Strompreis nicht mehr an die hohen Gaspreise gekoppelt ist und dass erneuerbare Energien in Zukunft ebenfalls einen gerechtfertigten Preis erhalten, der sich nicht allein über die Grenzkosten ermittelt. 

Auf der anderen Seite würde dieses Modell den Strommarkt laut Einschätzung einiger Expert*innen schwerer berechenbar machen, da die Marktpreise nicht mehr klar nach den Grenzkosten geregelt sind, sondern von vielen Faktoren, die in die Angebote der Bieter miteinfließen, bestimmt werden. Da die Bieter selbst festlegen, welchen Preis sie bieten, können Sie ihre gewünschte Rendite selbst bestimmen. Das könnte zu Versorgungsunsicherheiten und steigenden Strompreisen führen. 

In einer Situation wie derzeit würden Erneuerbare Energien wie die Wasserkraft wohl nicht mehr so gut vergütet werden, da Konsumenten nicht mehr dazu bereit wären, denselben Preis wie für Strom aus Gas zu zahlen. Das wiederum könnte zu einer Verlangsamung des Ausbaus von Erneuerbaren und der Dekarbonisierung der Energieversorgung, welche das Ziel sein sollte, führen. 

Evaluierung 

Es zeigt sich, dass beide Preisbildungsmodelle ihre Vor- und Nachteile bringen, doch gibt es neben dem Grundmodell noch viele weiter Regulationsmechanismen, die die wachsenden Strompreise einbremsen können und den Strommarkt für Anbieter von Erneuerbarem Strom in Zukunft fairer gestalten können. 

Auf Grund der erwähnten Nachteile eines „Pay-as-Bid“ Modells empfehlen aktuelle Studien das „Pay-as-Clear“ Verfahren beizubehalten und Adaptionen für den steigenden Anteil an Erneuerbaren und der fortschreitenden Flexibilisierung des Energienetzes zu treffen.  

Die Studie „Strommarktdesign 2022“ (Dezember 2021) des Frauenhofer Instituts empfiehlt beispielsweise eine Mengenförderung für Erneuerbare Energien: Jede Technologie erhält ein gewisses Kontingent an Förderungen, das bei sehr niedrigen oder negativen Strompreisen ausbezahlt wird und die Erzeugung somit rentabel fortgesetzt werden kann. Zudem wird empfohlen, die Stromsteuer abzusenken und ein zeitvariables Netzentgelt, gekoppelt an die Einspeisung von Erneuerbaren Energien, einzuführen, sodass der Endverbraucher seinen Stromverbrauch flexibilisiert. Außerdem wird vorgeschlagen, Stromspeicher, die zur Flexibilisierung und damit Preisstabilität beitragen, über Netzentgeltbefreiung und Investitionskostenzuschüsse weiter zu fördern. 

Der Assessment Report des ACER (EU Agency for the Cooperation of Energy Regulators) zum EU-Stromgroßhandel (April 2022) zeigt auf, dass es einer weitgehenden Flexibilisierung der Stromproduktion und einer Kostenabfederung über staatliche Intervention für Konsumenten bei hohen Preisen bedarf (z.B. Preisschranken, Reduktion der Gasnachfrage), um Preisvolatilitäten einzuschränken bzw. auszugleichen. Speicherungsmöglichkeiten von Erneuerbarer Energien können etwaige Produktionseinbrüche kompensieren und somit die Inbetriebnahme von Gaskraftwerken verhindern. Eine konkrete Lösung zur zukünftigen fairen Vergütung von Erneuerbaren nennt die Studie nicht. 

Ungeachtet von den zukünftigen Maßnahmen und möglichen Reformen im Strommarkt muss gewährleistet sein, dass Erneuerbare Energien so gut und fair als möglich vergütet werden, da diese das Standbein der Energiewende darstellen und deren Ausbau die einzige Möglichkeit zur Dekarbonisierung des Energiesektors ist. Das bedeutet aber auch, dass der Strommarkt auch in den kommenden Jahren nicht ohne Lenkungsmechanismen auskommen wird. Betreiberinnen und Betreibern von Kleinwasserkraftanlagen, die auf dem freien Strommarkt agieren, sollten die aktuelle Hochpreisphase nutzen um sich für kommende, vielleicht wieder schwierige Jahre, so gut wie möglich abzusichern.  

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